Kurzbeschreibung
PerioTrap steht für einen Paradigmenwechsel in der Parodontitisbehandlung: Die Zahnpasta und das Gel des Spin-offs hemmen gezielt plaquesverursachende Keime, pflegen das orale Mikrobiom und sorgen für nachhaltige Mundgesundheit ohne die Folgewirkungen vieler klassischer Behandlungen. Damit adressiert PerioTrap ein globales Gesundheitsproblem von enormer Bedeutung: Rund 750 Millionen Menschen weltweit leiden unter Parodontitis und möglichen Folgeerkrankungen. Die Produkte von PerioTrap basieren auf über zehn Jahren intensiver Grundlagenforschung, werden aktuell klinisch validiert, sind alltagstauglich und finden reißenden Absatz unter gesundheitsbewussten Verbrauchern – ein Beispiel dafür, wie Forschung neue Standards für Märkte und Menschen setzen kann.

1. Hättet ihr während eurer Zeit bei Fraunhofer gedacht, dass ihr mal ein Produkt auf den Markt bringen werdet, das ständig ausverkauft ist?
Definitiv nicht. Ich war mir eigentlich absolut sicher: ich werde nie im Leben eine Zahnpasta auf Basis unserer Forschung entwickeln. Mein Mitgründer Mirko Buchholz und ich haben dann gelernt, dass viele Start-ups erfolgreich wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Produkte übersetzen. Das wollten wir auch! Unsere aktuelle unternehmerische Herausforderung ist jetzt, möglichst schnell zu skalieren und den Eintritt in andere europäische Märkte voranzutreiben.
2. Wann wusstet ihr: aus eurer Arbeit bei Fraunhofer wird ein Produkt?
Ich habe am Institut hauptsächlich im Bereich Business Development gearbeitet, Mirko hat die Forschung abgedeckt. Aus unseren Kalkulationen wurde relativ schnell klar: Die wirtschaftlich interessanteste Verwertung ist ein neuartiges Kosmetikprodukt – und wir waren sicher, dass wir es am besten auf den Markt bringen können.
3. Wann war klar: ihr gründet ein Unternehmen aus?
Mirko und ich fanden den Freiraum und die Gestaltungsmöglichkeiten bei Start-ups immer schon faszinierend. Die Idee, ein Unternehmen aufzubauen, hat sich bei uns schrittweise entwickelt und von verschiedenen Seiten wurden wir ermutigt, diesen Weg weiterzugehen. Bei PerioTrap bin ich dann gleich Geschäftsführer im eigenen Start-up geworden. Das war recht überraschend, aber eben auch eine spannende Herausforderung.
4. Wie hat euch das Institut unterstützt?
Vor allem durch Commitment. Wir konnten zum Beispiel unsere Ausgründung zumindest am Anfang aus einer festen Anstellung heraus vorantreiben, parallel zur Arbeit für das Institut. Das hat uns den Rücken freigehalten und den notwendigen Fokus auf die Gründung ermöglicht. Diese Art der schrittweisen Ausgründung sehen wir als echten Luxus.
5. Was lief beim Markteintritt ganz anders, als ihr es erwartet hattet?
Alles. Wir hatten einen guten Businessplan und konnten damit die Finanzierung sichern, aber entscheidend ist nicht der Plan, sondern das direkte Feedback im Markt. Ein Beispiel: Wir sind davon ausgegangen, dass Patienten unser Produkt vor allem auf konkrete Empfehlung ihrer Zahnärzte hin kaufen würden. Deshalb lag unser Fokus zunächst stark auf der Zusammenarbeit mit Praxen. Es hat sich aber sehr schnell gezeigt, dass unser Verkauf stärker umgekehrt funktioniert: Viele Menschen sind über Medien auf uns aufmerksam geworden. Diese Nachfrage hat wiederum Gespräche in den Praxen angestoßen – sodass sich beides heute sinnvoll ergänzt. Der beste Plan ist deshalb: immer offen und sensibel für solche Learnings sein und sich schnell anpassen.
6. Wo habt ihr denn rückwirkend betrachtet am meisten Zeit verloren und wo am meisten Zeit gewonnen?
Bei einem Produkt haben wir aufgrund von technischen Risiken und Schwierigkeiten bei der Massenproduktion etwa drei Jahre verloren – aber wir haben rund fünf Jahre gewonnen, weil wir einen neuen Inhaltsstoff auf den Markt gebracht haben, der eigentlich erst 2030 so weit sein sollte.
7. Was war dein persönliches Highlight bei der Gründung?
Als wir mit PerioTrap viral gegangen sind. Ich bin morgens aufgewacht, scrolle durch die Google News – und unsere Zahnpasta ist Top zwei der Nachrichten, unter anderem bei ntv. Absolut surreal! Seitdem haben wir laufend Anfragen von Medien oder Influencern, die unsere Zahnpasta testen wollen.
8. Gibt es sowas wie einen »Fraunhofer Faktor« bei der Ausgründung oder bei Investoren?
Ja definitiv. Bei Investoren verschafft ein Fraunhofer-Hintergrund ganz andere Glaubwürdigkeit. Auch beim Medienecho auf unsere Zahnpasta war der Bezug zu Fraunhofer ein entscheidender Faktor. Wir waren nicht einfach »das Start-up X mit dem Produkt Y«, sondern Fraunhofer-Forschende mit einer neuen Entdeckung. Das ist eine andere Qualität in der Wahrnehmung.
9. Wo habt ihr euch beim Schritt aus der Forschung ins Unternehmertum am meisten verändert?
Man braucht andere Bewertungssysteme und muss sich selbst anders organisieren. Zeit spielt zum Beispiel heute eine viel wichtigere Rolle. Fördermittelgeber sind eher geduldig, Investoren sind es nicht. Wir müssen uns heute als Unternehmen auch viel mehr mit innerbetrieblichen Prozessen und einem anderen Qualitätsmanagement beschäftigen, weil wir die Auswirkungen im Tagesgeschäft unmittelbar spüren. Das Gute daran: Man kann selber steuern und ist nicht auf andere angewiesen.
10. Welchen Tipp möchtet ihr anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?
Befreit euch vom Reflex, erst zu fragen oder zu überlegen, ob ihr etwas dürft. Macht, probiert und holt euch so viel authentische Meinungen und Kritik ab, wie möglich. Wendet euch möglichst früh an Fraunhofer Venture, die uns sehr viel relevanten Input gegeben haben – rückwirkend betrachtet hätten wir das sogar mehr beherzigen sollen, als wir es getan haben 😉.